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ELEKTROBEFISCHUNG DER HASE OKT. 2009
 

Pressebericht in der Münsterl. Tageszeitung im Oktober 2009:

Große Artenvielfalt in der Hase, aber Sorgen um den Aal

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Untersuchung der Fischfauna durch Fischereibiologen –

Im Auftrag des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit(LAVES) wurde jetzt durch das „Institute for limnological and marine research(Limares)“ aus Essen/Ruhr an der Hase im Gebiet Löningen eine Elektrobefischung durchgeführt. Unter Leitung des Fischereibiologen Dr. Christian Frenz wurde in bestimmten Messstrecken der Fischbestand untersucht. Ziel der Untersuchungen sind Bestandserfassungen im Rahmen der EG-Wasserrahmenrichtlinie. Begleitet wurde das Untersuchungsteam durch Vorstandsmitglieder des Fischereivereins Löningen. Erfreulicherweise erwiesen sich sowohl die Anzahl als auch die Alterszusammensetzung der gemessenen Fische als dem Gewässer angemessen. Bemerkenswert war die große festgestellte Artenvielfalt; Sorgen macht allerdings weiterhin der Aal.

Bei einer Elektrobefischung, die grundsätzlich der Untersuchung des Fischbestandes dient, werden geringe Stromstöße ins Wasser geleitet. Durch das elektrische Feld im Wasser werden die Fische in einem Umkreis von einigen Metern kurzzeitig betäubt und können dann abgefischt werden, so dass sie nach Größe und Artenzugehörigkeit sortiert werden können. Die Ergebnisse werden zu statistischen Zwecken protokolliert.
Die EG-Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union wurde im Dezember 2000 in Kraft gesetzt. Mit ihr wird der Gewässerschutz in Europa neu geordnet. Die EU-Mitgliedsstaaten werden in der Wasserrahmenrichtlinie verpflichtet, spätestens bis zum Jahr 2015 einen "guten ökologischen Zustand" für alle Oberflächengewässer zu erreichen. Der "gute ökologische Zustand" der Oberflächengewässer ist in erster Linie auf die Vielfältigkeit vorhandener Pflanzen- und Tierarten ausgerichtet.
Mit der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie wird der Schutz der Oberflächengewässer und des Grundwassers gemeinsam betrachtet. Das Grundwasser wird dabei als Teil des Wasserkreislaufs der Flussgebiete verstanden. In trockenen Sommern werden Bäche und Flüsse zu einem hohen Anteil aus Grundwasser gespeist.
In diesem Zusammenhang weist schon seit Jahren der Fischereiverein Löningen darauf hin, dass bei der Hase hier große Defizite bestehen. Es wird nicht nur die große Strukturarmut des kanalartig ausgebauten Flusses bemängelt. In niederschlagsarmen Perioden, die in den letzten Jahren gehäuft aufgetreten sind, fällt der Wasserstand so extrem ab, dass bei einer gleichzeitigen Gewässerverschmutzung – wie zuletzt im Jahre 1990 - große Fischsterben zu befürchten sind. Hier fordert man die Verantwortlichen auf, durch bauliche Maßnahmen einen Mindestwasserstand zu sichern.
Bei der Untersuchung der Fischfauna überraschte den Biologen die Anzahl der gefundenen Arten: „Mit Weißfischen und Barschen kann man in solch einem Gewässer rechnen. Dass wir hier Arten der Roten Liste wie Steinbeißer und Bachschmerle, an einer Stelle sogar eine Groppe, die eher in sehr sauerstoffreichen Gewässern vorkommt, feststellen, ist schon bemerkenswert“, so der Fischereibiologe. Überraschend für alle Beteiligten war der große Bestand an Schleien in allen Altersgrößen. Besonders positiv: die große Anzahl von Junghechten. Hier scheint sich die Anlage von Laichzonen, wie z.B. in der Löninger Brockhöhe, für die natürliche Vermehrung der Fische auszuzahlen. Es wurden zwar erfreulich viele große Aale gefunden; alarmierend ist aber die Tatsache, dass kleinere Aale nur die Ausnahme bildeten. Es muss befürchtet werden, dass es mit dem Aalbestand weiter abwärts geht.
Schon seit Jahren versuchen die Mitgliedsvereine der FUG(Fischerei- und Gewässerschutzvereinigung), in der sich elf Fischereivereine im Hasebereich mit fast 4000 Mitgliedern zusammengeschlossen haben, mit verstärkten Besatzmaßnahmen den Aalbestand zu stützen. Der Fischereiverein Löningen widmet mittlerweile die Hälfte der Besatzaufwendungen dem Aal. Jährlich werden von den Mitgliedsvereinen der FUG allein für den Aalbesatz fast 9000 € aufgewendet.


Steckbrief Aal:
Erwachsene Weibchen können bis zu 150 cm lang und 6 kg schwer werden, Männchen erreichen nur 60 cm Länge. Der Europäische Flussaal ist eine so genannte katadrome Fischart, das bedeutet: Er lebt die meiste Zeit seines Lebens im Süßwasser und schwimmt nur zur Fortpflanzung ins offene Meer. Insgesamt besitzt der Flussaal einen komplexen und einzigartigen Lebenszyklus mit verschiedenen Entwicklungsstadien: Das Ablaichen geschieht ausschließlich in einem Seegebiet im Atlantik auf der Höhe Floridas, der Sargassosee. Aale schlüpfen als „Weidenblattlarven“. Nach dreijähriger Durchquerung des Atlantiks in Europa angekommen wandeln sie sich zu etwa sieben Zentimeter langen, noch durchsichtigen „Glasaalen“. Schwimmen sie vom Meer aus dann flussaufwärts, werden sie zu Gelbaalen, benannt nach ihrem dann gelb gefärbten Bauch. Dort wachsen sie die nächsten sechs bis zwölf Jahre bis zur Geschlechtsreife heran. Zum Ablaichen wandern die Aale dann flussabwärts zurück ins Meer, etwa 7000 Kilometer durch den Atlantik bis zur Sargassosee, wo sie geschlüpft waren. Auf dem Weg verändern sie abermals ihr Äußeres und sie werden zum Silber- oder Blankaal. In der Sargassosee laichen die Aale ab und sterben. Eine künstliche Vermehrung ist trotz vieler Forschungen bis heute noch nicht gelungen.
Das Nahrungsspektrum ist je nach Entwicklungsstadium verschieden: Die weidenblattähnlichen Larven ernähren sich von Plankton, die heranwachsenden Aale von Insektenlarven, kleinen Muscheln, Schnecken und Würmern, einige als Raubaale schließlich von größeren Tieren wie Krebsen, Fischen und Fröschen.
Alarmierend ist, dass das Aufkommen der Glasaale, die jährlich im Frühjahr nach ihrer Geburt im Sargassomeer an den europäischen Küsten ankommen, europaweit seit etwa 1980 drastisch gesunken ist. Die Bestände des Europäischen Aals sind fast im gesamten Verbreitungsgebiet dramatisch eingebrochen. Besonders deutlich wird die Bestandsabnahme bei der Untersuchung der Glasaalbestände: Zwischen 1980 bis 1999 sind in 19 Flüssen zwölf verschiedener Länder die Glasaalbestände im Durchschnitt um 95 bis 99 Prozent zurückgegangen. Auch die Anlandungen von Gelb- und Silberaalen ging in fast allen Verbreitungsstaaten innerhalb der letzten zehn Jahre um etwa 50 Prozent zurück.
Für den dramatischen Bestandsrückgang gibt es ein ganzes Bündel von Ursachen.
Da der Aal ein Wanderfisch ist, spielt die Verbauung der Gewässer durch Wasserkraftwerke eine große Rolle, welche für ihn oftmals eine unüberwindbare Barriere darstellt. Vielfach bleibt ihm auf seiner Rückwanderung nur der Weg durch den Turbinenschacht. Dabei wird der Aal oft getötet oder schwer verletzt.
Auch die weltweite Nachfrage nach Glasaalen bringt die Fische in Bedrängnis. Leider wird seit vielen Jahren ein wesentlicher Anteil der gefangenen Glasaale von asiatischen Händlern zu horrenden Preisen (bis 1000 Euro/kg) aufgekauft, die die einheimischen Fischer nicht mehr bezahlen können. Die vorrangig von den südeuropäischen Staaten gefangenen Glasaale werden in Aquakulturen im asiatischen Raum exportiert. Vor allem in Asien gelten Glasaale als besondere Delikatesse. Die Folge davon ist europaweit ein drastischer Rückgang der Besatzmaßnahmen, in Deutschland auf ein Drittel.
Auch biologische Feinde, wie z.B. der „Vogel des Jahres 2010“, der Kormoran, trägt das Seinige zum Rückgang der Aalbestände bei.
Der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) hat den Aal deshalb als "außerhalb sicherer biologischer Grenzen" eingestuft; in Deutschland steht er bereits seit 1998 auf der Roten Liste gefährdeter Arten.




 
 
Schleien in allen Größen wurden gefunden
Natürlicher Karpfenaufwuchs
Ein ganz seltener Fisch in unseren Gewässern: die Mühlkoppe(Groppe)
Große Aale wurden festgestellt; die kleinen fehlten aber



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